Manchmal stolpert man über ein Projekt und denkt sich: Gut, das ist jetzt also der Moment, in dem die Welt wieder ein Stück besser wird – und zwar nicht irgendwie, sondern mit Ansage. Der Titel allein sorgt schon dafür, dass man innerlich stramm steht: „Stärkung der geschlechterresponsiven Bewirtschaftung von Waldökosystemen und Agroforstsystemen“. Das hat etwas Beruhigendes. Nicht, weil man sofort versteht, was konkret passieren soll, sondern weil es so klingt, als sei alles bis ins Letzte durchdacht. Wer so formuliert, muss schließlich wissen, was er tut. Und falls man selbst nach dem zweiten Lesen noch Fragen hat, liegt das vermutlich an einem selbst. Man ist dann einfach noch nicht weit genug.
Besonders schön ist auch die Zahl, die daneben steht: 6.005.000,00 €. Nicht einfach 6 Millionen, das wäre zu grob, zu menschlich, zu unpräzise. Nein, hier wird es richtig elegant: fünf zusätzliche Tausender, und schon sieht alles aus, als sei es aus einer höheren Rechenkunst abgeleitet. Das ist die Sorte Betrag, die sofort vermittelt: Das ist keine Idee, das ist eine Maßnahme. Und Maßnahmen sind bekanntlich immer gut, vor allem dann, wenn sie so sauber auf zwei Nachkommastellen daherkommen.

Dann liest man: Finanzierungsart Zuschuss. Auch das ist praktisch. Ein Zuschuss klingt automatisch nach etwas, das man nicht hinterfragen sollte, weil es ja Hilfe ist. Und wer möchte schon der sein, der bei „Hilfe“ anfängt, unangenehme Fragen zu stellen? So kann man sich ganz entspannt zurücklehnen und sich freuen, dass Geld nicht einfach ausgegeben wird, sondern offenbar in etwas Höheres verwandelt wird: in Wirkung. Wirkung ist ja ohnehin das Schönste, weil man sie sehr gut begleiten, dokumentieren und in passenden Formulierungen wiedergeben kann.
Das „Zuschüsse“ nicht zurück zu zahlen sind, ist dabei nicht von Bedeutung, oder?
Der Status steht auf „laufend“. Ich mag dieses Wort. Es hat diese charmante Eigenschaft, dass es alles sagt und gleichzeitig nichts festnagelt. Es läuft. Wohin genau, in welchem Tempo, mit welchen Zwischenschritten – das sind dann Details, die man der Professionalität überlassen kann. Wichtig ist: Es bewegt sich etwas. Und in einer Zeit, in der so vieles stockt, ist „laufend“ fast schon ein Trost.
Auch die Laufzeit passt perfekt: vom 1.9.2024 bis 31.8.2028. Das ist genau lang genug, um ernsthaft zu wirken, und weit genug weg, damit man heute nicht mit kleinlichen Erwartungen nach „Ergebnissen“ stört. Vier Jahre sind außerdem ideal, um die wirklich wichtigen Dinge zu erledigen: Abstimmungen, Workshops, Begleitformate, Zwischenstände, Evaluationen, Kommunikation – und natürlich die beruhigende Feststellung, dass man Impulse setzt und Strukturen stärkt. Es ist erstaunlich, wie viel man in vier Jahren leisten kann, ohne sich mit der unangenehmen Frage aufzuhalten, ob das Ganze am Ende auch im Wald sichtbar wird.
Man fühlt sich auch gleich besser, wenn man sieht, wie breit das Projekt verankert ist: Landwirtschaft, Umweltschutz allgemein, Forstwirtschaft. Das ist ein Paket, das so umfassend klingt, dass Kritik schon beim Ansetzen schwer wird. Wer hier skeptisch ist, wirkt sofort so, als hätte er grundsätzlich etwas gegen Landwirtschaft, gegen Umwelt oder gegen Wald – und wer will sich schon in diese Ecke stellen? Das ist kommunikativ wirklich sauber gelöst.
Am Ende bleibt dieses angenehme Gefühl, das man bei solchen Vorhaben oft hat: Es wird bestimmt alles sehr professionell sein. Und wenn man selbst nicht genau sagen kann, was davon konkret ankommt, dann liegt das sicher daran, dass man eben nicht in der richtigen Flughöhe denkt. Man muss das Ganze einfach als das nehmen, was es offensichtlich ist: ein rundum überzeugendes Zeichen dafür, dass man Probleme nicht zwingend lösen muss, um sie in einer Weise zu bearbeiten, die sich nach Lösung anhört.
Kurz: Das ist wirklich ein Glücksfall. 6.005.000,00 € – und ein Titel, der so stabil wirkt, dass man fast glaubt, der Wald werde allein dadurch ein bisschen ordentlicher.
