Es ist einfach nur großartig, was wir da an sprachlicher Hochleistungskunst erleben – geradezu ein Meisterwerk der politisch korrekten Mutation. Aus ganz normalen Flüchtlingen, die aus ihrem Heimatland türmen, werden in dem Moment, in dem sie den deutschen Boden betreten, wie durch einen magischen Zauberspruch zu strahlenden „Geflüchteten“. Das klingt nicht mehr nach Chaos, Gewalt oder Grenzbruch, sondern nach Wellnessprogramm mit Migrationshintergrund – weichgespült, glattgebügelt, perfekt für die Tagesschau.

Dann der nächste Evolutionssprung: Im Asylheim heißt das Ganze nicht mehr einfach „hier Unterschlupf suchen“, nein, jetzt sind es fein differenzierte „Asylbewerber“. Man bewirbt sich um ein Land wie um einen neuen Handyvertrag – nur dass der Kunde hier König ist und der Staat brav zahlt. Dasselbe Gesicht, dieselbe Person, aber dank Etikettenwechsel wirkt es plötzlich halb so brisant und doppelt so harmlos. Eine sprachliche Schönheits-OP, ganz ohne Skalpell, nur mit Wortpuder.

Quelle: Rheinpfalz 24.01.2026

Und wenn sie dann einfach verschwinden, aus den Einrichtungen raus, durch die Hintertür, ohne Spur? Dann kippt die Mutation in die nächste Stufe: Man spricht wieder von „Flüchtlingen“, die leider, leider nicht auffindbar sind – als hätte sie eine kosmische Fehlleitung im deutschen Verwaltungssystem einfach verdampft. Kein Problem, kein Skandal, nur ein bedauerlicher Verwaltungsakt mit menschlicher Note. Die 923 Unsichtbaren stehen nicht als Sicherheitsproblem im Raum, sondern als tragische, nebulöse Zahl, die man achselzuckend hinnimmt.

Das wirklich Geniale daran ist, wie diese Wortakrobatik das ganze Drama verpackt: Mit jedem neuen Begriff wird die Realität ein Stück weiter wegretuschiert. Aus Flucht wird Geflüchtet-Sein, aus Illegalität wird Antragsstatus, aus Abtauchen wird Unauffindbarkeit.