Es ist erfrischend, wie einfach die Welt sein kann. Offenbar war die Straße vor 1933 ein friedliches Yoga-Retreat, in dem sich Pferdekutschen, Straßenbahnen und Spaziergänger in einer ewigen Umarmung befanden. Dass die gesamte westliche Welt – von den USA unter Robert Moses bis hin zum Wiederaufbau in ganz Europa – die „autogerechte Stadt“ als das Nonplusultra des Fortschritts feierte, ist da natürlich nur ein unbedeutendes Detail.

Demnächst lernen wir wahrscheinlich noch:

  • Das Rad: Ursprünglich eine Erfindung, um die Entschleunigung voranzutreiben, bis dunkle Mächte es für die Fortbewegung missbrauchten.
  • Die Autobahn: Ein reines Vergnügungsprojekt für Leute, die keine Lust auf die idyllische Reichsbahn hatten.
  • Der Asphalt: Nur erfunden, um den glücklichen Pferden den Hufkontakt zum Mutterboden zu rauben.

Es ist schon eine beachtliche intellektuelle Leistung, die städtebauliche Entwicklung eines ganzen Jahrhunderts auf ein einziges politisches Kapitel zu reduzieren und dabei die globale ökonomische Realität der Nachkriegszeit komplett im Rückspiegel zu lassen.


Ein kurzer Realitätscheck

So leidenschaftlich man heute über die Verkehrswende streiten kann: Die Fokussierung auf das Auto war kein exklusiv deutsches oder gar rein ideologisches Phänomen. Es war der weltweite Ausdruck von Wirtschaftswachstum und individueller Freiheit in der Moderne. Die „Zersiedelung“ ist eher ein Nebenprodukt des Wohlstands und der Nachfrage nach Wohnraum im Grünen als ein staatlich verordneter Umbauplan aus den 30er Jahren.

Man könnte fast meinen, die Redaktion hätte beim Verfassen dieses Beitrags tatsächlich den Kontakt zur Bodenhaftung – oder eben „ein Rad“ – verloren.