Deutschland und das Marmeladenglas

Ach, die erste Strophe des „Deutschlandliedes“ – „Deutschland, Deutschland über alles“ – wie oft wurde sie schon als angeblicher Beweis für finstere Gesinnung herangezogen. Dabei schrieb Hoffmann von Fallersleben das 1841 nicht etwa, um irgendwem Unterdrückung zu predigen, sondern um den Traum von einem geeinten Deutschland zu besingen – weg vom Flickenteppich aus Kleinstaaten, Zollschranken und Fürstchen, die sich gegenseitig auf die Füße traten. Damals ging es um Einigkeit, nicht um Größenwahn.

Dann kamen die schrecklichen Nazis – ja, diese armseligen Kreaturen, deren Denken in Menschenverachtung und Größenfantasien ersoff – und missbrauchten das Lied für ihren eigenen Irrsinn. Dasselbe Prinzip wie immer: etwas Bestehendes nehmen, verdrehen, und als Werkzeug für ihre Propaganda verwenden.

Das Absurde daran? Diese Kreaturen benutzten auch Dinge wie Marmeladengläser, Brotmesser oder Regenschirme. Und komischerweise fordert bis heute niemand ein Verbot von Frühstückszubehör, nur weil es in der Speisekammer des Bösen stand.

Die Logik wäre ähnlich überzeugend wie der Gedanke, man müsse Treppenhäuser ächten, weil Hitler wohl auch mal eine Treppe hinuntergegangen ist.