In stillem Gedenken an Otto Franz Karl Pallesch (1881–1916)

Gefallen im Ersten Weltkrieg – vermisst seit dem 25. September 1916 an der Somme

Otto Franz Friedrich Pallesch wurde am 20. Februar 1881 in Franzfelde, in der preußischen Provinz Pommern, geboren. Im Sommer 1916, mitten in den Wirren des Ersten Weltkriegs, stand er als einfacher Infanterist, als „Gemeiner“ der 11. Kompanie des 6. Westpreußischen Infanterie-Regiments Nr. 149, an der Front – zunächst bei Verdun, dann bei der Somme.

Am Morgen des 14. September 1916 verließ sein Regiment die Stellung bei Verdun. Per Eisenbahn ging es nordwestwärts, über Sedan und Charleville, bis in das neue Kampfgebiet. Das Ziel war bald klar: die Sommeschlacht, eine der grausamsten und verlustreichsten Auseinandersetzungen des Krieges.

Was folgte, war kein Feldzug mit Fahnen und Marschmusik, sondern ein Abwehrkampf im Morast Nordfrankreichs – unter Dauerfeuer, im ständigen Wechsel zwischen Sturmangriff und Rückzug, von Erschöpfung und Hoffnungslosigkeit durchdrungen. Die Offiziere selbst nannten es „Dauerschlacht“. Es war eine Zeit der Zermürbung, in der Menschen verschwanden, ohne Spuren zu hinterlassen.

Am 25. September 1916 wurde Otto Pallesch zum letzten Mal lebend gesehen – mit der Waffe in der Hand, an der Frontlinie, treu in der Pflicht. Was danach geschah, blieb im Nebel der Geschichte verborgen. Die Nachricht über sein Verschwinden ging Monate später beim Roten Kreuz ein. Eine offizielle Todesfeststellung erfolgte nie. Er blieb vermisst, wie so viele Männer dieses Krieges.

Otto Franz Friedrich Pallesch hinterließ Spuren – nicht im Kriegsbericht, sondern im Leben. Er hatte einen Sohn:
Edmund Erich Pallesch, geboren am 28. März 1909 in Stettin, einen wunderbaren Menschen, den ich ich persönlich kennen- und lieben lernen durfte.
Seine drei Schwestern, Charlotte Maria Elisa, Elfriede und Elise Maria Martha Pallesch konnte ich nicht kennenlernen. Eine mir über Facebook übermittelte Information über Großtante Charlotte war liebevoll, sie wurde von ihrer Familie als „Tante Charlie“ bezeichnet.

Mein Großvater war ein kleiner Junge, der seinen Vater nicht bewusst kennenlernen konnte. Und doch war dieser Vater da – in Erinnerungen, vielleicht in einem Foto, vielleicht in Geschichten, die man sich später erzählte. Und ganz sicher im Wesen seines Kindes.

Heute, über ein Jahrhundert später, steht sein Nachfahre – ich – in stiller Dankbarkeit und mit bewegtem Herzen vor diesem Schicksal.
Und in meiner Erinnerung lebt etwas weiter, das stärker ist als Krieg und Zeit: die Würde eines Lebens, das geliebt hat und gegeben wurde.